FCG GOES SWEDEN

Deutsch-Schwedische Beziehungen

Um die deutsche Modeindustrie im In- und Ausland nachhaltig zu fördern und publik zu machen, braucht es Synergien und Netzwerke und einen freundschaftlichen Austausch mit anderen Nationen. Für den Fashion Council Germany ist die Zusammenarbeit mit anderen Modekammern dafür essentiell — wie etwa mit den Kollegen aus Schweden. Als Auftakt für zukünftige gemeinsame Aktionen fand so kürzlich ein vom FCG gemeinsam mit dem Swedish Fashion Council initiiertes bilaterales Branchendinner in der Berliner Residenz von Per Thöresson, Botschafter Schwedens in Deutschland, statt. Warum das so wichtig war? Das haben wir einige Gäste und Initiatoren gefragt.

 

Per Thöresson, Botschafter Schwedens in Deutschland: „Gemeinsam sind wir stärker“

Meine Frau würde wahrscheinlich sagen, dass ich mich nicht für Mode interessiere. Da liegt sie allerdings falsch. Obwohl ich privat am liebsten Jeans trage, versuche ich, bei der Arbeit modisch up-to-date zu sein — ich bin übrigens bekennender Fan von Hugo Boss. Abgesehen davon habe ich als Botschafter quasi ein berufliches Interesse an der Modeindustrie, welche für die schwedische Wirtschaft eine Schlüsselposition einnimmt: Sie schafft in Schweden viele attraktive Jobs im Kreativbereich und prägt das internationale Bild eines modernen, trendbewussten Landes. Außerdem ist sie eine der am schnellsten wachsenden Exportbranchen, 68% des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Deutschland ist dabei einer der wichtigsten Märkte.

 

In Sachen Mode sehe ich den Ausbau und die Förderung von Netzwerken deshalb als eine unserer dringendsten Aufgaben — denn als Botschaft fungieren wir auch als Plattform: Unsere Stärke ist es, Türen zu öffnen und die richtigen Menschen zusammenzubringen. Im Fashion Council Germany haben wir einen engagierten Partner gefunden, der das ebenso sieht.  Gemeinsam mit dem FCG und dem Swedish Fashion Council luden wir deshalb kürzlich Designer, Labels und Vertreter des Einzelhandels und der Medien zu einem Dinner in meine Residenz in Berlin ein mit dem Ziel, die deutsch-schwedischen Beziehungen zu stärken, Schlüsselpersonen der Modebranche beider Länder zusammenzubringen und Ideen, Visionen und Erfahrungen miteinander zu teilen.

 

Obwohl wir im Felleshus der Nordischen Botschaften regelmäßig Seminare zum Thema nachhaltige Mode für ein breiteres Publikum veranstalten, war das Dinner der erste bilaterale Austausch in kleinem Kreis — und hoffentlich nicht der letzte. Für die Zukunft können wir uns auch andere Veranstaltungsformen vorstellen. Workshops, Pop-up Shops, Besuchsprogramme oder vielleicht sogar ein deutsch-schwedisches Fotoshooting?

Umwelt, Nachhaltigkeit, digitale Transformation: Deutschland und Schweden teilen außerdem die Herausforderungen, vor denen die Modeindustrie steht. Daher hoffen wir, dass die neu eingeleitete Freundschaft zwischen unseren beiden Fashion Councils und ihren Mitgliedern einen Dialog zu den wichtigen Themen der Branche anregt. Gemeinsam sind wir stärker.

 

Esther Perbandt, Modedesignerin: „Persönliche Kontakte muss man sich sensibel aufbauen“

Bereits seit 15 Jahren gibt es mein eigenes Label, heißt so wie ich: Esther Perbandt. Vor einer Dekade habe ich in Berlin meinen eigenen Laden mit angeschlossenem Atelier eröffnet. Dort arbeite ich an meinen Kollektionen, für welche ich mich auf eine reduzierte Farbpalette konzentriere. Das meiste ist Schwarz mit Akzenten von Weiß und Grau und zwar aus Gründen von Zeitlosigkeit, Nachhaltigkeit und Eleganz. Mein Universum ist die Vision einer modernen Persönlichkeit, meine Mode verstehe ich auch als (post-)feministischen, Geschlechter-unabhängigen Akt.

 

In meinem Laden, aber auch ganz grundsätzlich mache ich immer wieder die Erfahrung, dass viele Menschen sich unter deutscher Mode eigentlich kaum etwas vorstellen können — und dann positiv überrascht sind, sobald sie sich auf sie einlassen und näher mit ihr beschäftigen.

 

Die Arbeit des Fashion Council Germany, welches es sich zum Ziel gesetzt hat, deutsche Mode im In- und Ausland zu fördern und sichtbar zu machen, halte ich daher für eine wichtige Aufgabe. Genauso wie ihr Bestreben hin zu einer europäischen Modeinitiative. Insofern freute ich mich auch über die Einladung zum Dinner in der schwedischen Residenz, welches das FCG gemeinsam mit dem Swedish Fashion Council initiierte. In ungezwungenem kleinen Rahmen Austausch passieren zu lassen; sowohl einen schönen Abend zu verbringen, als auch sein Netzwerk gut zu erweitern — das ist meiner Meinung nach ein guter Ansatz.

 

Während des Dinners fand ich es wunderbar, nicht gleich zu wissen, wer wer ist. So hatte man die Möglichkeit, unbefangen die Tischpartner kennen zu lernen. Neben mir saßen beispielsweise zwei schwedische Einkäuferinnen, von deren Beruf ich allerdings erst später erfuhr. Trotzdem ergaben sich gleich so nette Gespräche, dass eine der beiden am nächsten Tag in meinen Laden kam, um mein Universum kennen zu lernen. Heute funktioniert vieles nur noch über direkte persönliche Kontakte und die muss man sich sensibel aufbauen. Am besten eben, wenn kein Business-Druck dahinter steht.

 

Langfristig sollte die deutsche Modebranche auch ins außereuropäische Ausland blicken. Mit seinen gezielten Angeboten und in sicheren Schritten geht der FCG da sicherlich in die richtige Richtung.

 

Johanna Kühl, Designerin Kaviar Gauche: Vom Gegenüber lernen

Natürlich freut es mich sehr, dass es eine neue Verbindung zwischen Deutschland und Schweden gibt! Als Halbschwedin liebe ich Stockholm und fand es seit jeher bewundernswert, wie es kleine Modeunternehmen dort schaffen, sich schnell einen Namen zu machen, auch dank loyaler Kunden. Ich selbst habe mein Modedesignstudium in Stockholm begonnen und hatte dort meine erste Assistenzstelle. Vermutlich hat mich das auf die eine oder andere Weise geprägt — und wenn es nur der nordische Hang zur Klarheit ist. Mich persönlich zog es dann aber weiter nach Berlin, für mich der richtige experimentelle Nährboden.

 

Gemeinsam mit meiner Partnerin Alexandra Roehler habe ich in Berlin 2004 Kaviar Gauche gegründet, mittlerweile konzentrieren wir uns ausschließlich auf Bridal Couture und luxuriöse Anlassmode. Mit diesem Konzept haben wir uns ziemlich erfolgreich am Markt etabliert. Was nicht heißt, dass wir stehen bleiben wollen — am Fortschritt und Austausch sind wir deshalb stets interessiert. Insofern hat mich die Einladung zum deutsch-schwedischen Netzwerk-Dinner sehr gefreut. Der Abend im fabelhaften Ambiente der schwedischen Residenz war sehr gelungen.

 

Generell sind Veranstaltungen in einem netten ungezwungenen Rahmen für uns als Marke wichtiger als gemeinsame Showrooms oder ähnliches. Und tatsächlich überlegen wir seit einiger Zeit, einen Store in Stockholm zu eröffnen, da wir dort ein großes Potenzial für Kaviar Gauche sehen, deshalb passte das Event natürlich perfekt. Ich habe mich während des Dinners insbesondere mit potentiellen Retailpartnern unterhalten.

 

Ein Austausch, wie er vom Fashion Council Germany und dem Swedish Fashion Council initiiert wurde, ist obendrein wichtig, weil die Modebranchen vom jeweiligen Gegenüber lernen können. An den Schweden ist zum Beispiel faszinierend, dass es ihnen gelingt, Mode zu etwas günstigeren und dennoch fairen Konditionen zu produzieren. Das mittlere Preissegment bedienen in Deutschland nur wenige junge Designer. Andererseits ist Deutschland tatsächlich modischer und glamouröser als sein Ruf. Das sichtbar zu machen, woran das FCG konsequent arbeitet, hilft ungemein.

 

Jennie Rosén, CEO Swedish Fashion Council: Ein nachhaltiger Schritt Richtung Zukunft

Das Swedish Fashion Council ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, deren Ziel es ist, die schwedische Modeindustrie zu fördern, bilden, inspirieren und digitalisieren, um auf allen Ebenen nachhaltig und wettbewerbsfähig zu werden und schwedische Mode international zu positionieren. Zudem fördern wir junge zukunftsorientierte Talente.

 

Seit meiner Ernennung zur CEO des Swedish Fashion Council Anfang 2018 wurden viel Arbeit darauf verwendet, Schweden mit internationalen Modeindustrien zu verbinden. Schweden hat bereits langjährige Beziehungen zu Deutschland. Wir teilen also ein gegenseitiges Verständnis genauso wie einen Teil der jeweiligen DNA, könnte man sagen. Obendrein denke ich, dass alle Fashion Councils im Herzen die Vision teilen, die eigene Modeszene sowie die gesamte Modeindustrie zu stärken und voranzubringen.

 

Die Idee hinter dem deutsch-schwedischen Dinner in der schwedischen Residenz war in dieser Hinsicht ein erster Schritt hin zu einer engen Beziehung zwischen den beiden Councils, um die jeweiligen Modeindustrien miteinander zu verknüpfen. Deutschland ist Schwedens größter Exportmarkt für Mode und Bekleidung und obendrein höchst interessant in Bezug auf umweltbewusste Konsumenten. Es gibt hier eine lange Geschichte nachhaltiger Entwicklung.

 

Insbesondere Berlins Modeszene fühlt sich jung und kreativ an, einerseits künstlerisch, andererseits kommerziell orientiert. Die Stadt ist ein kultureller Schmelztiegel, wo Stil den ultimativen Ausdruck von Identität darstellt. Alles zusammen betrachtet schien eine engere Verbindung zwischen uns beiden längst überfällig. Nach angenehmen und anregenden Gesprächen während des Dinners endete der Abend in einem Miteinander, wo weitere Ideen ausgetauscht, Termine gemacht und mögliche zukünftige Kooperationen ausgemacht wurden.

 

Anknüpfend an dieses erste erfolgreiche Event wollen wir zukünftig eine internationale Austauschplattform zwischen Deutschland und Schweden bauen, um Möglichkeiten zu schaffen, von den jeweiligen Kompetenzen und Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette zu profitieren. Mode ist ein globaler Markt. Plattformen für den globalen Austausch sind deshalb der Schlüssel um sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen und sich gleichzeitig auf die Zukunft vorzubereiten.