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Interview

Im Gespräch mit Jens Hamborg Koefoed (Co-Founder Vocast): Ohne Bilder hat eine Marke keine Identität

Vocast ermöglicht es Lifestyle Brands digitalen Content sowie Marketing-Materialien ästhetisch ansprechend und individuell maßgeschneidert zu präsentieren – und diesen zielgerichtet an relevante Stakeholder:innen zu kommunizieren. Genutzt wird das dänische Software-Tool bereits erfolgreich von 400 Brands weltweit, unter anderem von Ganni, Versace, WoodWood, Samsøe Samsøe, Rituals, Allude, Hay, &tradition und Menu.

Die dänische Content-Sharing-Plattform identifiziert Redakteur:innen, Stylist:innen und weitere reichweitenstarke Persönlichkeiten auf allen relevanten Märkten – und unterstützt Marken dabei, die eigenen Content- und Marketing-Assets individuell aufzubereiten und kontrolliert zu kommunizieren. Dies basiert auf drei Säulen, mit denen Vocast digitales Content-Marketing revolutioniert und perfektioniert hat:


Ein Digitaler Showroom ermöglicht es Marken, ihre Kollektionen visuell zu präsentieren. Auf Basis der Bild- und Video-Datenbank können Freisteller, Lookbook-Bilder sowie Video-Material ebenso übersichtlich wie ästhetisch ansprechend präsentiert und geteilt werden.

Ein Mailing-Programm bietet Marken außerdem die Möglichkeit, maßgeschneiderte Pressemitteilungen und Newsletter-Formate im Handumdrehen zu erstellen und zu versenden.

Und Kuratierte Kontaktlisten beinhalten Auflistungen von national und international wichtigen Influencer:innen, Redakteur:innen sowie weiteren branchenrelevanten Interessenvertreter:innen.

Damit ermöglicht Vocast nicht nur die direkte Kontaktaufnahme, sondern bietet dank der kategorisierten Listen außerdem individuelle Kontakt-Empfehlungen. Alle drei Funktionen sind analysefähig und ermöglichen es allen Nutzer:innen in Echtzeit wertvolle Daten einzusehen und auszuwerten. Derzeit betreut Vocast seine internationalen Kunden von dem Headquarter in Kopenhagen und weiteren Standorten in Mailand, Stockholm und Berlin.

Vocast ist seit März 2022 offizieller Partner vom Fashion Council Germany.

FCG: Ihr deckt von den Services rund um Digital Showroom, E-Mail Marketing, Influencer Network und Reach Intelligence das komplette Spektrum an digitalen PR & Marketing-Dienstleistungen ab. Worin siehst Du den Wettbewerbsvorteil von Vocast?

Jens Hamborg Koefoed: Wir helfen Modemarken, die Kontrolle über ihre Markenkommunikation zu übernehmen, internationale Reichweite zu erlangen und alle Verhaltensdaten von Redakteur:innen, Stylist:innen und Einzelhändler:innen zu konsolidieren. Nur sehr wenige Marken können sich eine PR-Agentur in jedem Markt leisten. Einerseits müssen kleine/mittlere Marken Teile ihrer Kommunikation automatisieren, um eine internationale Reichweite zu erzielen. Andererseits müssen sie aber immer noch ein hochwertiges Erlebnis für alle schaffen, die mit ihnen in Kontakt kommen. Wir helfen ihnen, genau das zu tun.

FCG: Einen digital starken Auftritt zu haben, ist für jedes (Mode-)Unternehmen heutzutage ein Must. Was würdest Du Brands empfehlen, die noch ganz am Anfang stehen und sich vielleicht kein digitales Tool oder PR-Agentur leisten können?

JHK: Alles beginnt mit dem Content. Ohne Bilder hat eine Marke keine Identität. Dann ist Instagram ein guter erster Schritt, den jede:r machen kann. Wir sehen einige Marken, bei denen die gesamte Reichweite und neue Kunden von Instagram stammen. Der entscheidende Punkt ist jedoch, wenn Sie sich nicht nur auf Ihr eigenes Profil verlassen, sondern auch Inhalte erstellen die Sie mit der Presse und Ihren Kunden teilen. Somit hat man Zugang zu all den Profilen, und das wird die Reichweite exponentiell erhöhen. Man braucht immer noch die traditionelle Presse, aber die Instagram/Facebook-Konten der Großkunden sind ein riesiges Marketingpotenzial, das wir unseren Kunden zusätzlich zur traditionellen PR erschließen.

FCG: Als Big Player in Skandinavien betreut ihr auch die Copenhagen und Stockholm Fashion Week, die beide zuletzt hybrid stattgefunden haben. Wie bewertest Du die Entwicklung der letzten zwei Jahre hin zu mehr digitalen Show-Formaten? Werden physische Shows in Zukunft vielleicht sogar an Bedeutung verlieren oder vielleicht genau das Gegenteil?

JHK: Wir helfen unseren Partner:innen, ihre Veranstaltungen zu verstärken. Wenn nichts passiert, gibt es auch nichts zu verstärken. Physische Begegnungen zwischen Menschen werden nie aus der Mode kommen. Das ist eine gesetzte Sache. Wir haben schon lange vor der Covid-19 einen "digitalen Laufsteg" mit der Copenhagen Fashion Week veranstaltet, weil wir das Erlebnis für die teilnehmenden Redakteur:innen und Einkäufer:innen verbessern, aber auch allen, die nicht das Privileg hatten, nach Kopenhagen zu kommen, das digitale Erlebnis zugänglich machen wollten. Hybrid ist hier, um zu bleiben. Die Digitalisierung ist eine großartige Ergänzung und Verstärkung der physischen Veranstaltungen. Aber alles rein digital zu machen, erscheint mir sinnlos - aber vielleicht bin ich auch nur alt, haha. Aber wir sollten uns alle daran erinnern, dass das Ziel, so viele Prozesse wie möglich digital abzuwickeln, ein wichtiger Faktor für die Verringerung des CO₂-Fußabdrucks unserer Branche ist.

FCG: Als digitaler Vorreiter beschäftigt Ihr Euch viel mit technologischen Trends. Wo wird Deiner Meinung nach die Modeindustrie in fünf Jahren stehen?

JHK: Meiner Erfahrung nach ändern sich die Dinge im Mainstream immer langsamer, als wir vorhersagen. Große Unternehmen, die über viele Ressourcen verfügen, halten alten Geschäftsmodellen fest, um so lange wie möglich Geld zu verdienen. Wir haben etwa 20 Jahre Erfahrung mit Social Media und etwas länger mit dem WWW, aber in den meisten großen Ländern sind Zeitschriften immer noch lebendig und einigermaßen profitabel. Die virtuelle Realität wird seit etwa 50 Jahren gehypt, aber sie ist immer noch nicht Mainstream. Und es gibt oft einen Pendel-Effekt, wenn Menschen involviert sind. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen nach ihrem Lockdown gerne wieder Menschen sehen und reisen möchten. Aber insgesamt bewegen wir uns hoffentlich auf eine nachhaltigere Zukunft zu, und digitale Prozesse werden analoge Prozesse dort übertreffen, wo es sinnvoll ist.

FCG: Ihr expandiert gerade stark in ganz Europa. Warum ist für Euch der deutsche Markt insbesondere interessant und was macht diesen Markt besonders?

JHK: Meine bisherigen Erfahrungen mit Deutschen sind, dass sie sehr strukturierte und rationale Menschen sind. In Dänemark haben die Deutschen den Ruf, analog zu sein und bei der digitalen Entwicklung hinterherzuhinken, aber bisher wurde dieses Image in den Schatten gestellt. Fast jede:r, dem wir unser Produkt zeigen, versteht sofort unsere Vision und wie sie es einsetzen sollten. Unser Produkt schafft einen Mehrwert, wenn man es richtig einsetzt. Wir sind mit offenen Armen empfangen worden, und als neuer Marktteilnehmer ist es eine Freude, ernst genommen zu werden und zu erfahren, dass Leute zu ihrem Wort stehen. Wir sind sehr hartnäckig und unsere Hauptphilosophie ist die langfristige Mehrwertschaffung für unsere Kund:innen, und ich habe das Gefühl, dass die Deutschen dies zu schätzen wissen. Anders als die meisten Softwareunternehmen arbeiten wir nicht mit einer Exit-Strategie. Wir sind hier, um ein Unternehmen mit einer Reihe von Werten und Beständigkeit aufzubauen, um auch in 100 Jahren noch innovativ zu sein.

FCG: Viele Brands konzentrieren sich vermehrt auf D2C und Social Media (Instagram, TikTok und co.). Wie schätzt Du die Entwicklung in Richtung „Consumer first“ ein?

JHK: Ich denke, die Zukunft gehört den originellen, nachhaltigen, kreativen Marken. In diesem Teil der Welt braucht niemand mehr Gebrauchsgegenstände. Mit anderen Worten: Wir ziehen uns nicht an, um warm zu bleiben. Originalität und Innovation kommen eher von kleineren Unternehmen, und die können nicht überall auf der Welt Läden haben. Mode ist oberflächlich, aber auch sehr tiefgründig. Seit die ersten Menschen begonnen haben, sich Federn in die Kleidung zu stecken, kommunizieren wir über die Art und Weise, wie wir uns kleiden, und ich glaube nicht, dass wir solche persönlichen Entscheidungen ausschließlich über den digitalen Handel treffen möchten. Es ist eine persönliche zwischenmenschliche Erfahrung, mit einem guten Verkäufer in einem Geschäft zu sprechen und sich beraten zu lassen und ein positives Gespräch zu führen. Menschen sind gern mit anderen Menschen zusammen

Wir bedanken uns bei Jens Hamborg Koefoed für das Gespräch.

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