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Interview

Im Gespräch mit Kind of Blau / Drip by Drip

Ali Azimi erzählt von seinem wassereinsparenden Modelabel Kind of Blau und der hauseigenen NGO Drip by Drip. Und berichtet von der unumgänglichen Relevanz der Wassereinsparung sowie seinen Beweggründen für ein nachhaltiges Label.

FCG: Kind of Blau hat sich einen Namen als wassereinsparendes Modelabel gemacht. Aber was heißt das konkret?


Ali Azimi: Konkret heißt das, dass wir uns auf den Wasserfußabdruck von der Faser bis zum Finishing fokussiert haben und versuchen diesen so gering wie möglich zu halten. Einerseits durch besonders wassersparende, ausgewählte Fasern und zugleich auch durch eine besonders wasserschonende Produktion. Deshalb versuchen wir nur in Europa zu sourcen und zu produzieren. Gleichzeitig versuchen wir Wasserprojekte in Bangladesch zu finanzieren, indem wir 5% pro Verkauf an unsere hauseigene NGO weiterleiten.

FCG: Weshalb ist das Thema Wassereinsparung in der Textilindustrie so relevant?

Ali Azimi: Wasser ist ein essentieller Bestandteil unseres Lebens, darüber sind wir uns alle mittlerweile einig. Aber leider haben wir vergessen, wie sehr die Länder des globalen Südens, in denen Baumwolle angebaut bzw. in denen die Textilindustrie angesiedelt wird, unter Wassermangel oder Wasserverschmutzung leiden. Darauf wollen wir nicht nur aufmerksam machen, sondern auch einen direkten Beitrag leisten, um diese Problematik zu bekämpfen. Meine Reise führte mich zuallererst nach Bangladesch, wo ich hautnah erlebt habe, was die Textilindustrie angerichtet hat.

FCG: Und gibt es deiner Ansicht nach genug Information und Aufklärung zu der Problematik?

Ali Azimi: Ja, die gibt es mittlerweile. Vor dreieinhalb Jahren war es aber nicht so. Deshalb habe ich damals beschlossen mich auf die Suche zu begeben und war verwundert, dass es keinen essentiellen Stellenwert in der Modewelt oder Modeproduktion hatte. Ich würde definitiv das Thema Wasser und Textil noch vor dem Thema Co2 auf die Agenda setzen, da wir hier viel mehr Handlungsmöglichkeiten haben. Das Thema hat aber mittlerweile seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden und ich bin sehr stolz darauf, dass unser Verein und unser Label dazu beigetragen haben.

FCG: Vermutlich ist daraus auch eure NGO Drip by Drip entstanden. Erzähl uns davon!

Ali Azimi: So kann man es sehen. Ich wollte eine Kombination zwischen Einsparung und gleichzeitiger Investition in Wasserprojekte schaffen. Ich habe mich dann einfach auf die Suche nach einer Lösung begeben, bin nach London, Bangladesch und Portugal geflogen, um dieses Gerüst aufzubauen. Glücklicherweise habe ich viele Mitstreiter gefunden, die ähnliche Ziele hatten und meine Vision geteilt haben. So entstand die weltweit erste NGO, die sich ausschließlich um das Thema Wasser und Mode dreht. Wir arbeiten an Stoffinnovationen, die ich vorangetrieben habe. Aufklärungsarbeit leisten wir an Universitäten, Modehochschulen und Messen. Außerdem investieren wir in Wasserprojekte in Bangladesch zusammen mit vielen anderen Labels, die sich mit uns zusammengetan haben, um dieses globale Problem endlich anzugehen.

FCG: Nachhaltige Aspekte scheinen mittlerweile bei der Gründung neuer Marken unabdingbar zu sein. Wäre es für Dich denkbar gewesen Kind of Blau ohne Nachhaltigkeitsgedanken zu gründen?

Ali Azimi: Ich bin mir nicht sicher, ob es der Nachhaltigkeitsgedanke war oder ist. Vieles hat sich seit den Anfängen geändert und ich erkenne Mode nicht mehr als reines Marketingtool oder Kampagne für das Thema Wasser. Ich möchte anspruchsvolle Mode schaffen, die auf einem Fundament aufgebaut ist, das sich durch Qualität, Anmut, Aufrichtigkeit und Kreativität auszeichnet. Es gibt also viele Möglichkeiten Nachhaltigkeit zu leben ohne dies zugleich zu missbrauchen. Ich denke, wenn man diese Tugenden berücksichtigt, kann man auch ohne grünen oder blauen Anstrich erfolgreich sein.

FCG: Haben Deiner Ansicht nach Marken, die 2021 gegründet werden, überhaupt noch eine Daseinsberechtigung, wenn sie keinerlei nachhaltige Kriterien erfüllen?

Ali Azimi: Ich denke, dass alles seine Daseinsberechtigung hat, solange es wertgeschätzt und begehrt wird. Es gibt genügend Marken, die nichts damit zu tun haben und deutlich erfolgreicher sind als wir. Beispiele gibt es also genug. Die Frage ist, was wir damit erreichen wollen. Wollen wir etwas Wertvolles und Einzigartiges für die Gesellschaft bereitstellen und Menschen die Möglichkeit geben ein Teil davon zu sein, oder wollen wir einfach nur leblose Produkte zu einem möglichst günstigen Preis anbieten?! Beides findet sich sowohl in der „Grünen“ als auch in der „Fast“-Fashion Welt wieder. Ich habe mich für Ersteres entschieden und daran halte ich weiterhin fest.

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